Marokkanische Monarchie im Rampenlicht
König Mohamed VI, seit 1999 auf dem Thron, ist bei öffentlichen Auftritten zunehmend geschwächt erschienen und hat damit Debatten über den Machtübergang im Land neu entfacht. Eine Analyse der spanischen Zeitung El Independiente vom 27. September 2026 hebt das mögliche Vorrücken des erst 23-jährigen Kronprinzen Moulay Hassan in die politische Arena hervor.
Werdegang des Herrschers und aktuelle Lage
Nach fast drei Jahrzehnten auf dem Thron sieht sich Mohamed VI, inzwischen 63 Jahre alt, wiederkehrenden Spekulationen über seine Gesundheit ausgesetzt. Der Monarch hat in den vergangenen Jahren mehrere medizinische Eingriffe hinter sich gebracht, obwohl keine offiziellen Angaben zu konkreten Diagnosen vorliegen. Marokko erlebt eine Phase sozialer Spannungen mit steigenden Lebenshaltungskosten und Unzufriedenheit unter jungen Menschen.
Ausbildung und erste Aufgaben des Thronfolgers
Moulay Hassan bereitet sich schrittweise auf seine Rolle vor. Im Mai wurde er nach seiner Beförderung zum Oberst zum Koordinator des Generalstabs der Streitkräfte ernannt. Derzeit studiert er Internationale Beziehungen an der Mohammed-VI-Polytechnischen Universität in Rabat. Seine erste große diplomatische Präsenz hatte er Ende 2024, als er den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Casablanca empfing.
- Fehlende Erfahrung: Von der Zeitung zitierte Experten weisen darauf hin, dass der Prinz noch keine großen politischen Verantwortungen übernommen hat.
- Kontrollierte Präsenz: Öffentliche Auftritte werden so gesteuert, dass kein Eindruck eines sofortigen Machtwechsels entsteht.
Einfluss des Makhzen und der Familie
Das Makhzen, das traditionelle Machtnetzwerk um die marokkanische Monarchie, wird weiterhin einflussreich bleiben. Mitglieder des engsten Kreises um den Prinzen wurden bereits während seiner Zeit am Königlichen Kolleg ausgewählt und könnten künftige Entscheidungen prägen.
Lalla Salma, Mutter von Moulay Hassan und seit der Trennung 2018 Ex-Frau des Königs, ist vereinzelt wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten, etwa bei einem Fußballspiel des Afrika-Cups. Ihr möglicher politischer Einfluss bleibt ungewiss.
Herausforderungen für die nächste Generation
Mehr als die Hälfte der Marokkaner unter 30 Jahren möchte auswandern, um bessere Chancen zu finden. Der künftige König wird eine individualistischere und anspruchsvollere Gesellschaft erben, die sich vom Modell seiner Vorgänger entfernt. Fragen wie Ceuta und Melilla, die von Marokko beanspruchten spanischen Städte, dürften sich laut Analysten nicht wesentlich ändern.
Der Übergang befindet sich noch im Stadium von Spekulationen, doch die wahre Bewährungsprobe wird sein, ob Moulay Hassan einen eigenen Vertrauenskreis aufbauen und den Forderungen einer sich wandelnden Bevölkerung gerecht werden kann.